Fludarabin
Auf einen Blick
- Krebsarten: chronische lymphatische Leukämie (CLL) vom B-Zell-Typ
- Wirkung: Stoppt das Wachstum der Krebszellen und Absterben der Zellen
- Mögliche Nebenwirkungen: Thrombozytopenie (Verminderung der Zahl der Blutplättchen, Blutergussbildung und Blutungen), Neutropenie (Verminderung Anzahl weißer Blutkörperchen), Unterdrückung des Immunsystems, Fieber, Lungenentzündung (Pneumonie), Atemprobleme und/oder Husten, mit oder ohne Fieber, Anämie (verminderte Anzahl roter Blutkörperchen, Blutarmut), Abgeschlagenheit, verminderte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit
Hinweis: Die Informationen dieses Fachtextes können und sollen eine ärztliche Meinung nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Einleitung
Wichtig zu wissen: Fludarabin ist ein Wirkstoff, der das Wachstum von neuen Krebszellen stoppt und wird in der Therapie von bestimmten bösartigen Erkrankungen – insbesondere verschiedene Formen der Leukämie – eingesetzt wird.
Wirkung
Fludarabin gehört zur Wirkstoffgruppe der Antimetabolite. Das bedeutet, dass diese Gruppe von Wirkstoffen ähnlich den körpereigenen Bausteinen der DNA sind. Einfach ausgedrückt, werden nun also die falschen Bausteine in die DNA eingebaut. Krebszellen wachsen schneller als gesunden Körperzellen.
Daher werden anteilig mehr falsche Bausteine in den Krebszellen verbaut. Dies führt zu einem Stopp des Wachstums der Krebszellen und die Zellen sterben schließlich ab.
Wichtig zu wissen: Da auch falsche Bausteine in gesunde Zellen eingebaut werden, kommt es hier zu Nebenwirkungen. Dies gilt vor allem bei Zellen, die wie die Krebszellen schnell wachsen. Hierzu gehören v.a. die Zellen des Immunsystems, des Blutes und der Schleimhäute.
Indikationen
Fludarabin wird zur Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) vom B-Zell-Typ bei erwachsenen Patienten mit ausreichender Knochenmarkreserve eingesetzt.
Nebenwirkungen
Da neben den Krebszellen vor allem die Zellen des Immunsystems und Blutes Schaden durch Krebsmedikamente wie Fludarabin nehmen, zeigen sich hier auch die Nebenwirkungen.
Thrombozytopenie: Verminderung der Zahl der Blutplättchen. Dies zeigt sich durch möglicher Blutergussbildung und Blutungen
Neutropenie: verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen. Weiße Blutkörperchen sind für die Immunabwehr im Körper verantwortlich. Stehen nicht genug weiße Blutkörperchen zur Verfügung, kann zu einer Unterdrückung des Immunsystems kommen. Dadurch kann es zu Fieber, Husten oder sogar zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) mit möglichen Symptomen wie Atemproblemen und/oder Husten, mit oder ohne Fieber kommen.
Anämie: verminderte Anzahl roter Blutkörperchen (auch Blutarmut genannt). Die roten Blutkörperchen sind verantwortlich für die Sauerstoffversorgung im Körper.
Der Sauerstoff wird von der Lunge zu den Körperzellen transportiert und wird hier zur Energiegewinnnung benötigt. Blutarmut kann Symptome wie Abgeschlagenheit, verminderte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit hervorrufen.
Wichtig zu wissen: Zellen des Immunsystems und des Blutes sind die Blutplättchen (Thrombozyten), weiße Blutzellen (Leukozyten) und die roten Blutzellen (Erythrozyten).
Einnahmedauer
Allgemein dauert die Zeit vom ersten bis letzten Behandlungszyklus etwa vier bis sechs Monate. Die Dauer der Behandlung hängt sowohl vom Behandlungserfolg als auch von der Verträglichkeit des Arzneimittels ab.
Dosierung
Fludarabin wird wie viele andere Krebsmittel nach Körperoberfläche (m²) dosiert. Diese errechnet sich nach einer Formel bestehend aus Körpergröße und Körpergewicht. Die empfohlene Dosis ist 25 mg Fludarabinphosphat pro m² Körperoberfläche. Fludarabin ist Bestandteil des FCR-Schemas.
Dies gehört zur Leitlinientherapie der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL). Weitere Bestandteile dieses Schemas sind Cyclophosphamid und Rituximab.
Das bedeutet, Fludarabin wird zusammen mit Cyclophosphamid als Infusion an 3 Tagen hintereinander verabreicht. Zusätzlich wird am 1. Tag auch die Rituximab-Infusion verabreicht. Danach sind etwa 3 Wochen Pause. In dieser Zeit können sich die gesunden Blutzellen und Immunzellen erholen, die durch die Behandlung ebenfalls geschädigt werden.
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Quellen
Zuletzt geändert am 20.09.2022
Autor: Expertengremium Apotheken
Hauptautorin: Kristina Debelius - Diplom-Pharmazeutin; Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie und Onkologie
Quellen
Deutscher Apotheker Verlag (2020) Europäisches Arzneibuch. In: Deutscher Apotheker Verlag.
Lukenbill, J. & Kalaycio, M. (2013) Fludarabine: a review of the clear benefits and potential harms. In: Leukemia Research. Vol. 37 (9), S.986-994. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23787174/; Letzter Abruf: 29.04.2021
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