Misteltherapie bei Krebs
Wie wirksam ist die Misteltherapie? Kann man eine Misteltherapie über die Krankenkasse abrechnen? Welche Erfahrungen gibt es? Misteltherapie als begleitende Maßnahme einer Krebstherapie. Mit Pflanzenextrakten Symptome und Lebensqualität verbessern. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Misteltherapie die Lebensqualität von Patienten gerade während der Chemotherapie verbessern kann.
Auf einen Blick
- Mistelpräparate gegen Krebs werden ausschließlich als Injektion verabreicht, wobei auch mit intravenösen Infusionen geforscht wird. Misteltropfen oder -kapseln sind Nahrungsergänzungsmittel und nicht für die Krebstherapie vorgesehen
- Die wissenschaftliche Datenlage erlaubt noch keine realistische Bewertung von Nutzen und Risiken.
- In der Regel wird sie längerfristig angewendet (bis zu 2 Jahre lang)
- Eignung nur bei bestimmten Krebsarten
- Nicht nebenwirkungslos
- Zu Fragen der Kostenübernahme wenden Sie sich bitte an Ihre zuständige Krankenkasse
Hinweis: Die Informationen dieses Fachtextes können und sollen eine ärztliche Meinung nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Definition
Die Misteltherapie ist eine komplementäre Form der Behandlung bei Krebs und wird in der Regel ergänzend neben Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt. Sie geht auf die Lehren von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, zurück. Dass die erhältlichen Mistelpräparate das Tumorwachstum verlangsamen oder stoppen können, ist bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen.
Wichtig zu wissen: Die Misteltherapie stellt also keine alternative Medizin zu geprüften onkologischen Standardverfahren dar. Selbst die Hersteller von Mistelpräparaten sowie anthroposophische Ärzte bewerten die Misteltherapie eher als eine begleitende Behandlung.
Funktionsweise
Mistelpräparate gegen Krebs werden ausschließlich als Injektion verabreicht, wobei auch mit intravenösen Infusionen geforscht wird. Ebenfalls erhältliche Misteltropfen oder -kapseln sind Nahrungsergänzungsmittel und nicht für die Krebstherapie vorgesehen. In der Regel wird der Extrakt in oder unter die Haut (subkutan) gespritzt. Die Hersteller empfehlen die Bauchhaut, Oberarm oder Oberschenkel. Die Injektionen werden vom Arzt oder der Pflegekraft vorgenommen. Angehörige und Patienten können das Spritzen mit entsprechender Anleitung aber auch selbst vornehmen.
Wirkung
Die bislang vorliegenden Studien können nicht wissenschaftlich bewiesen, dass die Mistel gegen den Tumor wirkt, also sein Wachstum eindämmt oder die Überlebenszeit verlängert. Als erwiesen gilt, dass die Misteltherapie die Lebensqualität allgemein verbessern kann, d.h. körperliche und psychische Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Fatigue und eine schlechte psychische Verfassung, mindern kann. Deshalb wird sie in der Krebstherapie auch immer wieder von betroffenen Patienten als unterstützende Maßnahme eingesetzt.
Besonders zwei Substanzen der Mistel ziehen das Interesse wissenschaftlicher Tests und Studien auf sich: Lektine und Viskotoxine. Viskotoxine haben eine immunstimulierende Wirkung, Mistellektine zeigen zellzerstörende Merkmale.
Wichtig zu wissen: Die Studien, welche die Wirkung dieser Substanzen untersuchten, werden jedoch von der Fachwelt sehr zwiespältig gesehen. Ihre Kritik richtet sich auf Qualitätsdefizite der Arbeiten, fehlende Nutzennachweise und methodische Mängel. Insgesamt, so das wissenschaftliche Urteil, ist die Datenlage zur Misteltherapie nicht geeignet, um Nutzen und Risiken realistisch zu bewerten.
Dauer
Die erhältlichen Mistelpräparate unterscheiden sich hinsichtlich Dosierung und Anwendungsdauer. In der Regel werden sie längerfristig angewendet, d.h. bis zu 2 Jahre lang.
Erfahrungen
Die Mistelbehandlung wird normalerweise gut vertragen. Wenn Nebenwirkungen auftreten, handelt es sich in der Regel um allergische Beschwerden oder entzündliche Reaktionen der Haut an der Einstichstelle. Auch eine Fieberreaktion und Gliederschmerzen sind möglich. Bei allen solchen Reaktionen ist vom Arzt zu entscheiden, ob es sich um zu erwartende Auswirkungen der Misteltherapie oder um (behandlungsbedürftige) Nebenwirkungen oder Komplikationen der Injektionen handelt.
Zu den weiterhin bekannten Nebenwirkungen zählen:
- Schwindel (Herz-Kreislauf-Beschwerden)
- Geistige Verwirrtheit (zentrales Nervensystem)
- Übelkeit (Magen-Darm-Trakt)
Wenige Informationen gibt es zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Hinreichend belegt ist jedoch die meist unkomplizierte Kombination mit klassischen Chemotherapien. Empfohlen wird, bei der Verabreichung solche Hautbereiche auszusparen, die im Rahmen einer Strahlentherapie bestrahlt werden.
Hinweis: Von der zeitgleichen Verwendung der Mistel mit modernen onkologischen Immuntherapien sollte unbedingt Abstand genommen werden, bis ausreichend verlässliche Studiendaten zu möglichen Wechselwirkungen vorliegen.
Mistelpräparate
Mistelpräparate enthalten ein Extrakt aus Misteln von unterschiedlichen Wirtsbäumen, wie Eichen, Apfelbäume, Kiefer und andere. Dabei wird der Saft aus Blättern und Zweigen mit Wasser verdünnt. Weitere Stoffe kommen hinzu; sie unterscheiden sich je nach Hersteller.
Abrechnungsmöglichkeiten
Wie alle rezeptfreien Medikamente müssen auch Mistelpräparate selbst bezahlt werden. Allerdings übernehmen bzw. erstatten einige gesetzliche Krankenkassen die Kosten, wenn der Krebs weit fortgeschritten und nicht heilbar ist und die Misteltherapie auf eine bessere Lebensqualität abzielt. Einzelne Krankenkassen erstatten die Kosten auch für andere Therapien.
Das ist wichtig: Wenden Sie sich zu dieser Frage an Ihre zuständige Krankenkasse. Dies gilt auch, wenn Sie beihilfeberechtigt oder privat versichert sind.
Rezept
Eine Misteltherapie kann von jedem Arzt und Heilpraktiker verschrieben werden. Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung ist die Verschreibung auf Kassenrezept.
Voraussetzungen
Bei den folgenden Krebsarten und anderen Beschwerden ist eine Mistelbehandlung umstritten bzw. einige Hersteller warnen vor ihrer Anwendung:
- alle Krebsarten des Immunsystems, also Lymphome und Leukämien (da die Abwehrzellen von der Krankheit beeinträchtigt sind)
- primäre Hirntumore und -metastasen (Gefahr eines Ödems bzw. steigenden Gehirndrucks)
- maligne Melanome
- Nierenzellkarzinome
- Schilddrüsenprobleme
Wichtig: Bei einem malignen Melanom oder Hodgkin-Lymphom raten Krebsexperten ausdrücklich von einer Misteltherapie ab.
Empfehlung
Zu beachten: Beginnen Sie nicht eigenmächtig eine Misteltherapie, sondern sprechen Sie auf jeden Fall zunächst mit Ihrem behandelnden Arzt. Denn nur er weiß, ob die Behandlung mit der laufenden onkologischen Therapie kombiniert werden darf, wie z.B. mit einer Hormontherapie bei Brustkrebs. Informieren Sie auch alle weiteren medizinischen Fachkräfte, die an der Therapie beteiligt sind, also z.B. Ihren Hausarzt oder den niedergelassenen Facharzt.
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Quellen
Zuletzt geändert am 27.07.2023
Autor: Expertengremium Naturheilkunde
Hauptautor: Wolfgang Doerfler - Facharzt für Neurologie, Arzt für Naturheilverfahren
Beratungsstelle Komplementärmedizin und Naturheilkunde am Tumorzentrum München
Quellen
Deutsche, K. (2017) Brustkrebs: Weitere Therapieformen. In: ONKO-Internetportal. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/therapie/weitere-therapieformen.html; Letzter Abruf: 27.07.2023
DKFZ (2019) Misteltherapie gegen Krebs. In: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/unkonv-methoden/mistel.php#; Letzter Abruf: 27.07.2023
Lordick, F. (2014) Misteltherapie bei Krebs. In: Deutsches Ärzteblatt. Vol. 111 (491-2), https://www.aerzteblatt.de/archiv/161079/Misteltherapie-bei-Krebs; Letzter Abruf: 29.04.2021
Medizinische Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft (2020) Misteltherapie. In: Medizinische Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. https://www.mistel-therapie.de; Letzter Abruf: 29.04.2021
Mende,, A. (2019) Misteltherapie bei Krebs. Kein Effekt auf Heilung oder Lebensqualität. In: Pharmazeutische Zeitung online. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/kein-effekt-auf-heilung-oder-lebensqualitaet; Letzter Abruf: 29.04.2021
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