Kachexie (Tumorkachexie)
Was ist Kachexie? Durch welche Maßnahmen können Sie den ungewollten Gewichtsverlust reduzieren oder stoppen? Welche Folgen hat Mangelernährung?
Auf einen Blick
- Unter Kachexie versteht man den Abbau sowohl von Fettgewebe als auch von Skelettmuskulatur bis hin zum Abbau von Gewebe in Organen
- Gründe für eine Kachexie sind, dass weniger Nahrung aufgenommen wird und der Stoffwechsel gestört ist
- Es gibt viele Möglichkeiten, die Kachexie vorzubeugen und den Muskelabbau zu verhindern (durch Bewegung und Ernährung)
- Kachexie (starker Gewichtsverlust) kann die Lebensqualität des Krebspatienten deutlich beeinträchtigen.
Hinweis: Die Informationen dieses Fachtextes können und sollen eine ärztliche Meinung nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Definition
Unter Kachexie versteht man den Abbau von Fettgewebe und Skelettmuskulatur. Es kommt zu einem ungewollten Gewichtsverlust. Tritt die Kachexie aufgrund einer Krebserkrankung auf, spricht man von „Tumorkachexie“ oder „Krebs-Kachexie“.
Fast jeder zweite Patient mit einer Krebserkrankung ist im Verlauf der Krankheit von einer Kachexie betroffen.
Gut zu wissen: manchmal wird statt „Kachexie“ der Begriff "Inanition“ verwendet, obwohl es Unterschiede gibt. Die Inanition bezeichnet zwar auch einen starken Gewichtsverlust, aber der Zustand ist noch umkehrbar (reversibel).
Diagnose
Als Kriterien für ein eine Kachexie gelten folgende Kriterien:
- >5% Gewichtsverlust in den letzten 6 Monaten
- BMI (Body Mass Index) < 20 und ungewollter Gewichtsverlust von >2% in den letzten 6 Monaten
- Starker Muskelabbau und ungewollter Gewichtsverlust von >2% in den letzten 6 Monaten
Erkennbar ist die Kachexie an folgenden Merkmalen des Patienten:
- Die Knochen werden durch die Haut sichtbar
- Augen liegen tiefer (weil das Fett hinter den Augäpfeln abgebaut wird)
- Wangen (Backen) werden hohl (das Fett in den Wangen wird abgebaut)
Auch die Organe sind durch den Abbau von Gewebe betroffen, man spricht von Atrophie. In der Folge kommt es zu Störungen der Organe, z.B. vom Herzen (Herzinsuffizienz) oder vom Knochenmark.
Es gibt zudem 3 Stufen der Kachexie:
- Prä-Kachexie (Vorstufe der Kachexie)
- Kachexie
- Refraktäre Kachexie (Lebenserwartung weniger als 3 Monate)
Ursachen
Es ist noch nicht vollständig geklärt, wie es zu einer Tumorkachexie kommt. Einige Gründe dafür sind jedoch, dass:
Weniger Nahrung aufgenommen wird:
- Appetitlosigkeit
- Geschmacks- und Geruchsveränderungen
- Mukositis (Schleimhautentzündung)
- Mundtrockenheit
- Durchfall
- Schluckbeschwerden (Dysphagie)
Stoffwechsel (Metabolismus) sich verändert:
- chronische Entzündungen beeinflussen den Stoffwechsel
- Nährstoffe werden schlechter aufgenommen und verwertet
- Es werden weniger Bausteine im Körper durch Nahrung aufgebaut (abnehmender Anabolismus)
- Es werden mehr Bausteine im Körper abgebaut (zunehmender Katabolismus)
Maßnahmen
1. Schritt: Tumorkachexie frühzeitig erkennen. Viele Patienten freuen sich zunächst über einen Gewichtsverlust. Ein ungeplanter Gewichtsverlust kann aber ein erstes Anzeichen für eine Kachexie sein. Patienten sollten sie immer dem Arzt melden, vor allem wenn bereits eine Krebsdiagnose vorliegt.
Achtung: Sprechen Sie Ihren Arzt unbedingt früh darauf an, wenn Sie ungeplant Gewicht verlieren!
2. Schritt: der Arzt sollte regelmäßig das Gewicht, den BMI (Body-Mass-Index) und die Nahrungsaufnahme von Patienten überprüfen.
3. Schritt: eine Tumorkachexie kann nicht mit Medikamenten behandelt werden. Als Behandlung empfohlen werden derzeit:
- Ernährungsberatung
- Bewegung (z.B. auch Physiotherapie)
- eine ausführliche Beratung der Patienten und Angehörigen. Je besser Patienten und Angehörige über die Tumorkachexie aufgeklärt sind, desto besser können sie auch damit umgehen und es entstehen weniger Konflikte, zum Beispiel beim gemeinsamen Essen. Auch Ängste und Depressionen können das Essen beeinflussen, weshalb hier auch eine psychologische Beratung sinnvoll sein kann.
Achtung: eine Tumorkachexie kann nicht umgekehrt werden (sie ist irreversibel). Aber durch die richtigen Maßnahmen und eine frühe Erkennung kann sie verlangsamt werden.
Bewegung
Sport ist wichtig, um den Stoffwechsel und Appetit anzuregen sowie Kachexie zu lindern und vorzubeugen. Er verhindert bzw. reduziert den Muskelabbau, der durch eine Kachexie hervorgerufen werden kann. Folglich werden die Nebenwirkungen der (Anti-)Hormon- oder Chemotherapie gemindert.
Ernährung
Die jeweilige Krebsart ist entscheidend für die Wahl der Lebensmittel bei Krebs. Bei Mangelernährung wird z.B. auf hochkalorische Nahrung zurückgegriffen. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten der Ernährung: normale Kost, Trinknahrung, Sondennahrung oder auch parenterale Ernährung.
Empfehlung:
- Eiweißreiche und fettreiche Ernährung
- Ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
Folgen
Eine Kachexie hat nicht nur einen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten, sondern auch auf den Gesundheitszustand. Da bei einer Tumorkachexie nicht nur Fett verloren geht, sondern auch Muskelmasse, nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit ab. Krebsbedingter Gewichtsverlust kann den Krankheitsverlauf verschlechtern.
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Quellen
Zuletzt geändert am 18.12.2023
Autor: Redaktion StärkergegenKrebs
Qualitätssicherung: Dipl. Oec. Troph Iris Flöhrmann, Diätassistentin, Ernährungsberatung Stormarn
Quellen
DKFZ (2014) Kräfte sammeln und bewahren: Was tun bei Gewichtsverlust?. In: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/ernaehrung/ernaehrung-gewichtsverlust.php; Letzter Abruf: 30.04.2021
Fabricius, G. (2014) Wie ernähre ich mich bei Krebs?: Was nützt, was nicht - praktische Hilfen für den Alltag. In: Verbraucherzentrale NRW.
MedWiss.Online (2022) Krebs-Kachexie: Was muss getan werden?. https://www.medwiss.de/2022/12/12/krebs-kachexie-was-muss-getan-werden/#:~:text=Dahinter%20steht%20jedoch%20nicht%2C%20so,k%C3%B6nnen%20die%20Krebs%2DKachexie%20verlangsamen; Letzter Abruf: 15.12.2023
Suzuki H, Asakawa A, Amitani, H., Nakamura, N. & Inui, A. (2013 ) Cancer cachexia--pathophysiology and management. In: Journal of Gastroenterology. Vol. 48 (5), S.574-594. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23512346/; Letzter Abruf: 30.04.2021
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