Die Palliativversorgung
Auf einen Blick
- Eine Palliativversorgung kommt bei Patienten mit schweren, unheilbaren Erkrankungen zum Einsatz
- Ziele sind die Linderung von Beschwerden und die Steigerung der Lebensqualität
- In der Palliativversorgung wird der Patienten in all seinen Dimensionen wahrgenommen: körperlich, seelisch, spirituell und sozial
- Es gibt ambulante und stationäre Angebote zur Palliativversorgung, je nach Wunsch und Situation des Patienten
Hinweis: Die Informationen dieses Fachtextes können und sollen eine ärztliche Meinung nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Bedeutung
Palliativversorgung kommt dann zum Einsatz, wenn der Patient eine Erkrankung hat, die unheilbar ist und unmittelbar oder im weiteren Verlauf zum Tode führen kann. Hierzu gehören unter Umständen auch Krebserkrankungen.
Einen Patienten „palliativ“ zu betreuen, bedeutet seine Lebensqualität zum obersten Ziel zu machen. Die Heilung der Erkrankung und die Lebensverlängerung, das heißt die „kurativen“ therapeutischen Maßnahmen, rücken in den Hintergrund.
Achtung: Das Angebot der Palliativversorgung ist keine Aussage darüber, wie lange der Patient voraussichtlich noch zu leben hat!
Da die Lebensqualität im Zentrum der palliativen Versorgung steht, wird alles beachtet, was zu ihrer Verbesserung beiträgt. Der Patient wird als Mensch „im Ganzen“ betrachtet. Zudem werden neben dem Patienten auch seine Angehörigen mitbetreut, auch über den Tod des Patienten hinaus.
Wörtlich bedeutet palliativ „mit einem Mantel umhüllen“, von dem lateinischen Wort „palliare“. Dieses Bild soll dafür stehen, dass der Patient umfassend, also ganzheitlich, umsorgt wird.
Gut zu wissen: Die Begriffe Palliativversorgung, Palliativmedizin und Palliativpflege werden häufig bedeutungsgleich verwendet und leiten sich von dem englischen Begriff „Palliative Care“ ab. Zwar gibt es Unterschiede, aber sie lassen sich nicht immer trennscharf voneinander abgrenzen.
Ziele
Das oberste Ziel der Palliativversorgung ist es, die Lebensqualität eines Patienten mit einer unheilbaren, lebensbedrohlichen Erkrankung zu erhalten oder wenn möglich, zu verbessern. Das Leiden, das eine solche Krankheit auslöst, soll gelindert oder im besten Fall sogar dem vorgebeugt werden. Das gilt für den Patienten und sein unmittelbares Umfeld, also seine Familie oder Freunde.
In der Palliativversorgung wird der Tod als Teil des Lebens gesehen und angenommen.
Wichtig ist, dass der Mensch in der Palliativversorgung als Ganzes gesehen wird. Das bedeutet, dass der Patient in allen seinen menschlichen Dimensionen wahrgenommen und gepflegt wird:
- Körperlich (physisch): dazu gehört eine gute Symptomkontrolle körperlicher Beschwerden, z.B. bei Schmerzen oder Atemnot. Außerdem sollen unnötige Belastungen durch Untersuchungen und Behandlungen vermieden werden.
- Psychisch: Patienten werden bei der Bewältigung von Symptomen, wie Angst, Unruhe oder Delir unterstützt. Auch die Belastungen und die Bedürfnisse der Angehörigen werden berücksichtigt.
- Spirituell: hierbei geht es darum, die Werte des Patienten zu kennen und danach zu handeln. Ebenso Kraftquellen zu ermitteln, die dem Patienten oder seiner Familie im Verlauf der Krankheit helfen können. Es ist somit nicht nur auf das Religiöse beschränkt.
- Sozial: hier spielt das Umfeld des Patienten eine Rolle. Dieses beinhaltet das häusliche Umfeld, das finanzielle und am wichtigsten die Beziehungen, die dem Patienten wichtig sind. So können Fragen geklärt werden: ist es möglich, den Patienten zuhause zu betreuen, wenn er dies wünscht? Oder wer muss noch verständigt werden?
Bei einer schweren Erkrankung können Probleme in all diesen Dimensionen entstehen und diese wirken sich negativ auf das Wohlbefinden, also die Lebensqualität des Patienten aus.
Beteiligte Berufsgruppen
Die Palliativversorgung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und kümmert sich um die körperlichen, psychisch, spirituell und sozialen Belange der Patienten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Patienten meist von einem ganzen Team betreut werden.
Diese Palliativteams bestehen aus:
Ärzten, Pflegekräften, Psychologen, Seelsorgern, Sozialarbeitern, Apothekern, Physiotherapeuten, Atmungstherapeuten und auch Kunst- oder Musiktherapeuten und vielen weiteren.
Eine besondere Rolle spielen auch ehrenamtliche Mitarbeiter von Hospizdiensten. Für die unterschiedlichen Berufsgruppen gibt es spezifische Aus- und Weiterbildungsangebote.
Teams kommen vorwiegend auf Palliativstationen, in Palliativdiensten, Hospizen und einigen ambulanten Diensten (z.B. SAPV) zum Einsatz. Aber auch Allgemeinärzte, Hausärzte, medizinisches Personal in Pflegeeinrichtungen oder von Pflegediensten können palliativ behandeln. Wie groß oder umfassend das Team ist, hängt von der Art der palliativen Versorgung ab.
Indikation
Die Palliativversorgung kommt bei Menschen zum Einsatz, die eine schwere, unheilbare Erkrankung haben. Dazu gehören auch einige Krebserkrankungen.
Allerdings sollten Patienten mit einer unheilbaren Erkrankung im besten Fall bereits bei ihrer Diagnose über die Möglichkeiten und die Vorteile einer palliativen Versorgung informiert werden. Sie kann den Patienten dann in vielen Fällen über mehrere Jahre und Monate begleiten und zeitgleich mit lebensverlängernden Therapien stattfinden.
Gut zu wissen: Eine Studie bei Patienten mit Lungenkrebs fand heraus, dass eine frühe Palliativversorgung nicht nur die Lebensqualität der Patienten verbesserte, sondern lebten diese Patienten sogar länger.
Versorgungsformen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Palliativversorgung erfolgen kann. Grundsätzlich wird die Versorgungsform auf Grundlage der individuellen Belastungssituation der Erkrankten und Angehörigen entschieden. Die Wünsche der Betroffenen spielen ebenfalls eine große Rolle. Die Versorgung kann dann stationär, ambulant oder kombiniert stattfinden.
Nachfolgend finden Sie eine Übersicht über die Versorgungsformen im Rahmen der Palliativversorgung. Im Anschluss daran erhalten Sie tiefergehende Informationen.
Grundsätzlich wird die Versorgungsform auf folgender Grundlage entschieden:
- Wünsche der Betroffenen
- Individuelle Belastungssituation des Erkrankten und seiner Angehörigen
Die Versorgung kann dann stationär, ambulant oder kombiniert stattfinden.
Zugang zu Palliativversorgung
Die Entscheidung, welche palliative Versorgung der Patient erhält, sollten Arzt und Patient zusammen treffen, denn beides ist wichtig: die Wünsche des Patienten und die Indikationsstellung durch den Arzt.
In der Praxis gilt: Wenn der Patient spezialisierte Palliativversorgung in Anspruch nimmt, muss dies von einem Arzt verordnet werden. Dazu gehört die Aufnahme auf eine Palliativstation oder ein Hospiz oder die Betreuung durch eine SAPV (spezialisierte ambulante Palliativversorgung). Für letztere muss auch eine vorherige Genehmigung durch die Krankenkasse erfolgen. Dies kann durch den eigenen Hausarzt des Patienten oder einen Krankenhausarzt beantragt werden.
Achtung: Scheuen Sie sich nicht davor, Ärzte direkt auf eine palliative Versorgung anzusprechen, wenn dies Ihr Wunsch ist.
Kosten
Wer übernimmt die Kosten einer palliativen Versorgung?
Die Palliativversorgung ist Bestandteil der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung. Daher werden die Kosten der oben aufgeführten Dienste (z.B. Aufenthalt auf einer Palliativstation, in einem Hospiz oder die Versorgung durch AAPV und SAPV) von der Krankenkasse übernommen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben auch eine Pflicht ihre Versicherten kostenlos über Palliativversorgung zu informieren, dieses Angebot kann man daher als Patient oder Angehöriger nutzen.
Gut zu wissen: ambulante Hospizdienste bieten meist kostenlos ihre Dienste an. Sie finanzieren sich durch Spenden, Zuschüsse von Krankenkassen und vor allem das ehrenamtliche Engagement vieler freiwilliger Mitarbeiter!
Relevanz
Warum ist Palliativversorgung so wichtig?
Übrigens: Die Palliativversorgung ist eine „junge“ Disziplin und wurde in den 1960er Jahren von Dame Cicely Saunders ins Leben gerufen, die damals das erste moderne Hospiz in England eröffnete. Viele palliativen Einrichtungen dort sind daher nach ihr benannt.
wer zur Verbesserung der Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland beitragen möchte, kann die entsprechende Charta unterstützen. Sie setzt sich für eine nationale Strategie ein und ein größeres Bewusstsein in der Gesellschaft und mehr Offenheit. Ganz nach dem Motto „Übers Sterben zu reden, hat noch niemanden umgebracht..!“
Spezialisten suchen
Finden Sie spezialisierte Experten bei Krebs
Quellen
Quellen
Bohnet-Joschko, S.; Bidenko, K. (2019) Pflegende Angehörige. Hoch belastet und gefühlt allein gelassen. In: Deutsches Ärzteblatt. 3, S.20-25. https://www.aerzteblatt.de/archiv/210859/Pflegende-Angehoerige-Hoch-belastet-und-gefuehlt-allein-gelassen; Letzter Abruf: 28.06.2023
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) https://www.dasistpalliativ.de/ ; Letzter Abruf: 28.06.2023
Leitlinienprogramm Onkologie (2021) Patientenleitlinie: Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. In: „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientleitlinie_Palliativmedizin-1980012.pdf; Letzter Abruf: 28.06.2023
Radbruch, L., & Payne, S. (2011) Standards und Richtlinien für Hospiz-und Palliativversorgung in Europa: Teil 1. In: Zeitschrift für Palliativmedizin. 12(05), S.216-227.
Temel, J. S., Greer, J. A., Muzikansky, A., Gallagher, E. R. et al (2010) Early palliative care for patients with metastatic non–small-cell lung cancer. In: New England Journal of Medicine. 363(8), S.733-742.
Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2020) Palliative Care. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/palliative-care; Letzter Abruf: 28.06.2023
Fanden Sie diesen Artikel hilfreich?