Kontrastmittel in der Nuklearmedizin
Auf einen Blick
- Radioaktive Substanzen zur Darstellung von Stoffwechselvorgängen im Körper
- Durch Strahlenbelastung des Körpers nach Untersuchung Trinkvolumen erhöhen und Kontakt zu kleinen Kindern und Schwangeren vermeiden, bzw. reduzieren
- Nach ärztlicher Rücksprache Nüchternheit und Pasieren von Medikamenten notwendig
Hinweis: Die Informationen dieses Fachtextes können und sollen eine ärztliche Meinung nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Definition
Die „Kontrastmittel“ in der Nuklearmedizin sind radioaktive Substanzen und heißen Radiopharmaka oder Radiotracer. Klassische Kontrastmittel, die im CT oder MRT zum Einsatz kommen, haben primär die Eigenschaft, den Kontrast (daher auch der Name) der unterschiedlichen Gewebearten im Körper besser zur Darstellung zu bringen.
Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu Kontrastmittel, die im CT oder MRT genutzt werden, stellen nuklearmedizinische Radiopharmaka oder Radiotracer in der Regel Stoffwechselvorgänge im Körper dar oder binden an bestimmte Zielstrukturen auf zellulärer Ebene.
Kontrastmittel
Da im Körper viele unterschiedliche Stoffwechselvorgänge ablaufen, gibt es auch eine Vielfalt an Radiopharmaka, die auf jede spezifische Untersuchung abgestimmt sind. In der klassischen (konventionellen) Szintigraphie sind diese Radiopharmaka häufig mit Technetium-99m (99mTc) radioaktiv markiert. Um die Durchblutung des Herzens zu untersuchen wird z.B. ein 99mTc markierter Durchblutungsmarker verwendet, welcher sich im Herzen anreichert. Will man mit einer Skelettszintigraphie ausschließen, dass Metastasen im Knochen vorhanden sind, so verwendet man eine mit 99mTc markierte Substanz, die in den Knochen eingebaut wird. Je nach gewünschter Zielstruktur und verwendeter markierter Substanz ist es somit möglich, mit dem gleichen Radionuklid (in diesem Fall 99mTc) unterschiedliche Stoffwechselvorgänge darzustellen.
In der onkologischen Diagnostik stehen im Rahmen der Positronen-Emission-Tomographie (PET) auch mit Fluor-18 radioaktiv markierte Zuckerlösungen zur Verfügung, oder Substanzen, die mit hoher Genauigkeit Tumorzellen des Prostatakarzinoms aufspüren können.
Wichtig zu wissen: Die in der nuklearmedizinischen Therapie am häufigsten angewendete Substanz ist radioaktives Jod (Jod-131) zur Behandlung gutartiger und bösartiger Schilddrüsenerkrankungen.
Risiken
Mit der Verabreichung von Radiopharmaka ist immer eine gewisse Strahlenbelastung verbunden. Eine längerfristige schädliche Wirkung ist jedoch nahezu auszuschließen. Patienten sollten in aller Regel nach einer nuklearmedizinischen Untersuchung viel Trinken, um die radioaktive Substanz schneller auszuscheiden, da die Substanzen meistens über die Nieren ausgeschieden werden.
Dadurch kann die Strahlenbelastung reduziert werden. Da Patienten nach der Untersuchung selbst strahlen, wird jedoch empfohlen, am Tag der Untersuchung den Kontakt mit kleinen Kindern und Schwangeren auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Aufgrund der nur sehr geringen Menge an chemisch wirksamen Substanzen der eingesetzten Radiopharmaka sind allergische Reaktionen auf das verabreichte Radiopharmakon bzw. der ggf. darin befindlichen Lösungsmittel sehr selten, können theoretisch aber nicht ausgeschlossen werden. Das Risiko ist hierbei um eine vielfaches niedriger als bei MRT- oder CT-Kontrastmittel.
Ablauf
Nuklearmedizinische Untersuchungen funktionieren, im Gegensatz zu CT- und MRT-Untersuchungen, nur wenn ein „radioaktives Kontrastmittel“ (radioaktive Substanz) verabreicht wird. Der Ablauf der Untersuchung hängt stark von dem zu untersuchenden Organ bzw. der zu untersuchenden Funktion ab, ist aber auch abhängig von dem verabreichten Radiopharmakon.
Dabei kann der radioaktive Stoff entweder über eine Vene injiziert, geschluckt oder eingeatmet werden. In den meisten Fällen beginnt die Messung nach einer Zeit von 20-30 Minuten bis wenige Stunden. In diesem Zeitraum verteilt sich die radioaktive Substanz im Körper und reichert sich in den jeweiligen Ziel-Organen an.
Wichtig zu wissen: In manchen Fällen kann es jedoch notwendig sein, die Untersuchung direkt mit der Gabe der radioaktiven Substanz zu starten oder auch über mehrere Tage die Verteilung im Körper zu messen.
Kontrastmittelgabe
Vor manchen Untersuchungen ist es notwendig, nüchtern zu sein. Bei bestimmten Untersuchungen müssen teilweise bestimmte, eingenommene Medikamente am Untersuchungstag oder auch mehrere Tage zuvor pausiert werden (dies darf jedoch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen).
Nach der Untersuchung empfiehlt es sich häufig viel zu trinken, um die radioaktive Substanz schneller aus dem Körper auszuscheiden. Hierdurch erreicht man eine Reduktion der Strahlenbelastung.
Wichtig zu wissen: Meiden Sie bei den meisten Untersuchungen am Untersuchungstag Schwangere und kleine Kinder, um sie nicht einer unnötigen Strahlenbelastung auszusetzen. Stillende Frauen sollten, abhängig von der verabreichten Substanz, nach der Untersuchung das Stillen vorübergehend pausieren.
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Quellen
Zuletzt geändert am 23.08.2022
Autor: Expertengremium Radiologie & Nuklearmedizin
Hauptautoren:
Priv. Doz. Dr. med. Andrei Todica - Facharzt für Nuklearmedizin
Priv. Doz. Dr. med. Harun Ilhan - Facharzt für Nuklearmedizin
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